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Studie: Polen bewerten deutsch-polnische Beziehungen als positiv

(c) Warschauer Institut für Öffentliche Angelegenheiten und Konrad-Adenauer-Stiftung
Eine klare Mehrheit von fast zwei Dritteln der befragten Polen bewertet das Verhältnis ihres Landes zu Deutschland als positiv. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Warschauer Instituts für Öffentliche Angelegenheiten und der Konrad-Adenauer-Stiftung im Projekt „DEUTSCH-POLNISCHES BAROMETER 2017“. Zudem scheinen die Vorteile, die beide Seiten aus den Wirtschaftsbeziehungen ziehen können, stärker ins Bewusstsein der Polen zu dringen. In der Politik wird das Nachbarland zwar kritisch beäugt, dennoch fordern die Polen einen kooperativen Verhandlungsstil von ihrer Regierung.

64 Prozent bewerten das deutsch-polnische Verhältnis als positiv. Mit diesem Ergebnis setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Deutschland wird von den Befragten außerdem am häufigsten als das Land genannt, mit dem Polen am engsten zusammenarbeiten sollte. 43 Prozent der Polen geben den Nachbarn im Westen als Wunschpartner an. Die schärfsten Konkurrenten der vergangenen Jahre – die USA und Groß-Britannien –mussten in der Gunst der Polen dahingegen deutliche Einbußen hinnehmen.

Wirtschaft: Mehr als ein Drittel sieht Vorteile auf beiden Seiten

In der Frage nach den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind sich die Polen zwar nicht einig, doch der Anteil derer, die vor allem Deutschland als Nutznießer sehen, sinkt rapide: Nicht einmal mehr ein Drittel der Polen (32 Prozent) glaubt, dass eher Deutschland profitiert; im Vorjahr waren es fast noch 40 Prozent gewesen. Heute vertreten 36 Prozent der Polen die Auffassung, dass beide Seiten durch die wirtschaftlichen Beziehungen gewinnen würden. Die Autoren der Studie fanden heraus, dass „Personen (…), die Vorteile in den gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen erkennen (…), die deutsch-polnischen Beziehungen (…) besser als jene (bewerten), die keinerlei Vorteile für irgendjemand ausmachen.“

Politik: Gemischte Gefühle, trotzdem Wunsch nach Kooperation


39 Prozent der Polen geben zu Protokoll, dass ihr Land von Deutschland als gleichberechtigter Partner in der Europäischen Union behandelt werde. Doch 47 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, dies sei „selten“ oder „nie“ der Fall. Gleichzeitig glaubt fast die Hälfte der befragten Polen (47 Prozent), dass Deutschland bei der Durchsetzung seiner Interessen auch die Interessen anderer Länder berücksichtige. Seit dem Austritt Groß-Britanniens aus der Europäischen Union stellt sich für Polen die Frage, welche Auswirkungen eine stärkere Position Deutschlands in Europa für das Land hätte. 31 Prozent der Befragten sähen darin einen Vorteil für ihr Land, 21 Prozent einen Nachteil; 35 Prozent werteten dies weder als Vor- noch als Nachteil für Polen.

Insgesamt ziehen die Polen in Bezug auf die politischen Beziehungen eine eher durchwachsene Bilanz zum Verhältnis mit dem Nachbarn im Westen. Diese Wahrnehmung zieht die Frage nach der Konsequenz nach sich. Wie, wollten deshalb die Urheber der Studie wissen, sollte die Linie des Landes gegenüber Deutschland bei Verhandlungen nach Meinung der polnischen Bevölkerung aussehen?
Die Antwort ist eindeutig: Für die Mehrheit der Polen (58 Prozent) ist klar, dass die Beziehung der beiden Länder vor allem durch Kooperation geprägt sein sollte. Dahingegen ist Zahl derer, die darauf pochen, die Regierung in Warschau solle zunächst die eigenen Interessen verteidigen, im Vergleich zurückgegangen: Mittlerweile stimmt nicht einmal ein Drittel (31,5 Prozent) der Befragten dieser These zu, das sind beinahe sechs Prozentpunkte weniger. Zugleich hat die Zahl derer, die unschlüssig sind, zugenommen: Jeder zehnte Befragte findet es schwer zu sagen, welche Verhandlungslinie die richtige sei.

Deutsche Europapolitik: im Grundsatz positiv, in der Krise umstritten

Die Mehrheit der Polen bewertet die deutsche Europapolitik als positiv. Deutschland trage zu einer besseren Zusammenarbeit bei, finden 61 Prozent der Befragten. Das gute Ergebnis sollte jedoch nicht den Blick dafür verbergen, dass der gleichen Aussage vor zwei Jahren noch 68 Prozent der Polen zustimmten. Die Zahl derer, die in Deutschland ein konstruktiv agierendes Land wahrnehmen, ist also gesunken.

Ein Beispiel für konstruktives Handeln ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Hier zeigt sich exemplarisch an der Eurokrise, dass Deutschland in den Augen der Polen an Kompetenz eingebüßt hat. Vor zwei Jahren vertraten zwei Drittel der Befragten die Auffassung, dass Deutschland zur Lösung der Eurokrise beitrage. Heute sind zwar noch mehr als die Hälfte der Polen (54 Prozent) der Meinung. Doch es ist offensichtlich, dass Deutschland als Krisenmanager in der öffentlichen Wahrnehmung Federn gelassen hat. Deutlich schlechter wird die Politik des westlichen Nachbarn in punkto Flüchtlingskrise beurteilt: Hier meinen nur 41 Prozent der Befragten, dass Deutschland zur Lösung der Problematik beisteuere. Dahingegen sind 39 Prozent der Meinung, dass Land verschärfe die Situation. Die Zahlen zeigen zugleich, wie gespalten Polen in dieser Frage ist.

Problemfelder der deutsch-polnischen Beziehungen

Die aktuelle Rangfolge der Themen, die Probleme für die deutsch-polnischen Beziehungen darstellen, unterscheidet sich inhaltlich nicht allzu stark von den Vorjahren. Allerdings ist die Zahl der Befragten, die die in Rede stehenden Themen als problematisch (oder sehr problematisch) einschätzen, allgemein deutlich angestiegen. Insgesamt stuft die Mehrheit der Polen (72 Prozent) die unterschiedliche Herangehensweise in der Flüchtlingsfrage als größte Herausforderung für die deutsch-polnischen Beziehungen ein. Es folgt die deutsch-russische Ostseepipeline Nord-Stream (69%). Als drittgrößtes Problem betrachten die Polen die Kritik deutscher Medien sowie einiger deutscher Politiker an der polnischen PiS-Regierung, insbesondere an deren Umgang mit dem polnischen Verfassungsgericht und bezüglich anderer Beschneidungen des demokratischen Systems (68%).

Auf dem darauffolgenden Platz rangiert wiederum just die PIS-Regierung selbst mit ihren Aktivitäten gegenüber dem Verfassungsgericht und der Demokratie. Auch der fünfte Platz der größten Herausforderungen geht an die eigene Regierung in Warschau: Deren anti-europäische Haltung sei ein Problem, das auch auf die deutsch-polnischen Beziehungen ausstrahle, meinen zwei Drittel der Polen.

Über das DEUTSCH-POLNISCHES BAROMETER 2017

Das Deutsch-Polnische Barometer ist ein Projekt des Warschauer Instituts für Öffentliche Angelegenheiten und der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung. Dessen Ziel ist es, die Haltung der Polen gegenüber der deutschen Politik und den deutsch-polnischen Beziehungen zu ermitteln. Dafür analysieren die Partner die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zur öffentlichen Meinung in Polen. Um Entwicklungen in der öffentlichen Meinung nachskizzieren zu können, handelt es sich um eine Längsschnittstudie. Seit dem Start wurde der Fragenkatalog deshalb im Wesentlichen beibehalten und nur punktuell - je nach Bedarf- ergänzt.

Weitere Informationen unter: http://www.kas.de/polen/de/publications/48898/

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