Neues Deutsch-Polnisches Barometer: Direkter Kontakt verändert den Blick auf das Nachbarland

Wie gut kennen sich Deutsche und Polen 35 Jahre nach Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags? Der erste Teil des Deutsch-Polnischen Barometers 2026 zeigt: Begegnungen und Reisen über die Grenze nehmen zu, bleiben aber zwischen beiden Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt. Erstmals untersucht die Studie dabei auch die Grenzregion genauer.

Für das aktuelle Barometer wurden im August 2026 jeweils 1.000 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland und Polen befragt. Zusätzlich wurde die Stichprobe in den grenznahen Bundesländern und Woiwodschaften, einschließlich Berlin, erweitert. Damit lässt sich erstmals genauer vergleichen, wie stark die unmittelbare Nähe zur Grenze Kontakte und gegenseitige Wahrnehmungen beeinflusst.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Asymmetrie: 59 Prozent der Befragten in Polen waren seit 1990 bereits in Deutschland, während 42 Prozent der Deutschen seit 1989 Polen besucht haben. Noch stärker sind die Kontakte auf polnischer Seite der Grenzregion: Dort waren rund drei Viertel bereits in Deutschland, auf deutscher Seite etwa die Hälfte im jeweiligen Nachbarland.

Grenznähe schafft mehr Begegnungen

Gerade für die Oderregion sind die Ergebnisse besonders interessant. Die Studie macht deutlich, dass räumliche Nähe den Austausch begünstigt, dieser aber nicht automatisch entsteht. Entscheidend sind auch gute Verkehrsverbindungen, institutionelle Zusammenarbeit und konkrete Anlässe für Begegnungen, etwa durch Arbeit, Bildung, Kultur, Dienstleistungen oder Tourismus.

Dabei spielt persönliche Erfahrung eine wichtige Rolle für die Wahrnehmung des Nachbarlandes. Wer selbst nach Polen oder Deutschland gereist ist, bewertet die Menschen auf der anderen Seite der Grenze im Durchschnitt positiver. So bezeichnen 69 Prozent der Deutschen mit eigener Polen-Erfahrung Polinnen und Polen als freundlich; unter Befragten ohne solche Erfahrungen sind es 40 Prozent. In Polen zeigt sich ein ähnlicher Zusammenhang bei der Bewertung Deutschlands.

Mehr Wissen übereinander durch direkte Kontakte

Das Barometer unterstreicht damit die Bedeutung grenzüberschreitender Begegnungen für die deutsch-polnische Nachbarschaft. Besonders die Grenzregion kann dabei eine wichtige Rolle spielen: Hier gehören Kontakte über die Grenze für viele Menschen bereits stärker zum Alltag als in anderen Teilen beider Länder.

Neben Reisen und persönlichen Kontakten untersucht die Studie auch gegenseitige Bilder, wirtschaftliche Wahrnehmungen und den Einfluss politischer Einstellungen. Der nun veröffentlichte Bericht enthält den ersten Teil der Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers 2026. Die vollständige Ausgabe soll im November 2026 erscheinen. Herausgegeben wird die Studie vom Institut für Öffentliche Angelegenheiten in Warschau und dem Deutschen Polen-Institut; zu den Partnern gehören außerdem die Konrad-Adenauer-Stiftung in Polen und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Weiterlesen:
DIALOG online: „Neues Deutsch-Polnisches Barometer: Asymmetrie in den Kontakten“

Zum Deutsch-Polnischen Barometer 2026:
Deutsches Polen-Institut: Deutsch-Polnisches Barometer 2026, Teil 1