Vom 24. September bis 10. Oktober 2026 machte ein zusätzlicher Kulturwaggon den Berlin-Warschau-Express zur Bühne für deutsch-polnischen Austausch. Der Rückblick auf die Oktober-Fahrten mit Zahlen, Programmpunkten und Stimmen aus dem Leitungsteam.
Mit der Ankunft in Warszawa Centralna endete am 10. Oktober die diesjährige Kulturzug-Saison. Acht Fahrten in zwei Blöcken, vom 24. bis 27. September und vom 7. bis 10. Oktober, verbanden unter dem Motto „Näher als du denkst – Bliżej niż myślisz“ Berlin, Poznań und Warszawa. Der Kulturwaggon würdigte die Jubiläen des deutsch-polnischen Jahres 2026: 35 Jahre Städtepartnerschaft Berlin–Warszawa, 35 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag und 20 Jahre Oder-Partnerschaft.
Die Europäische Akademie Berlin, die das Projekt trägt, zieht für die gesamte Saison eine klare Bilanz: mehr als 50 Programme, an einzelnen Fahrtagen bis zu 200 Fahrgäste im Waggon, viele ausgebuchte Veranstaltungen und über 215.000 Impressionen in den sozialen Medien. Auch deutsche und polnische Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk berichteten laufend von Bord.
Vom Jazz bis zum Modezug: das Programm im Oktober
Im Oktober fuhr der Kulturzug am 7. und 9. Oktober als EC 42 von Warszawa über Poznań nach Berlin, am 8. und 10. Oktober als EC 45 in Gegenrichtung. Laut Programm gab es pro Fahrt vier bis fünf Programmpunkte im Kulturwaggon, dazu Beiträge der Lebendigen Bibliothek. Zum Auftakt am 7. Oktober führte das Goethe-Institut Warschau mit „Nächster Halt: Deutschland!“ durch Jugendsprache und Dialekte. Das Computerspielemuseum Berlin lud zu „Zug spielt Berlin“ ein, mit einem DJ-Set von Wolf Kampmann. Am 8. Oktober stellte das Polnische Institut Berlin die Reisenden im Pop-Up-Kulturquiz auf die Probe. Das Team des Deutsch-Polnischen Hauses stellte seine Arbeit zum Gedenken an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs vor.
Am 9. Oktober widmete sich das Panel „Zwei Bahnen, eine Strecke“ mit Vertretern von PKP-IC und DB der Zukunft des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs, am Abend folgten ein Konzert von Kachus aus der Posener Musikszene und eine Tango-Einführung. Am Abschlusstag, dem 10. Oktober, standen eine Kinderbuchlesung („Dackel Dackel in Warschau“), zwei „Modezug“-Auftritte mit Designerinnen und Designern aus Poznań, Berlin und Warszawa sowie ein Chopin-Programm mit Live-Elektronik auf dem Fahrplan.
Im Waggon ins Gespräch kommen
Der Kulturzug versteht sich als Angebot, nicht als Pflichtprogramm: In den normalen Abteilen findet nichts statt, Moderatorinnen und Moderatoren verteilen Programm und Quiz und laden in den Waggon ein. Dort gibt es verschiedene Stufen der Beteiligung, vom Ausleihen von Büchern und Spielen über das kurze Quiz bis zum Workshop. Das Programm ist kostenlos, zweisprachig und wird gedolmetscht. Natalie Wasserman vom Leitungsteam sagte DIALOG online, was sie am Format am meisten schätzt: „Man kommt wirklich mit den Leuten ins Gespräch.“
Die Etappen der Lebendigen Bibliothek folgten der Strecke. Am 8. Oktober ging es zwischen Berlin und Zbąszynek mit dem mobilen Europe Direct um die Frage, was sich Reisende von der EU wünschen. Zwischen Zbąszynek und Poznań widmete sich der Künstler Wojciech Olejniczak der „Polenaktion“: Am 28. Oktober 1938 wurden etwa 8.000 in Deutschland lebende polnische Jüdinnen und Juden an die polnische Grenze bei Zbąszyń deportiert. Auf dem Abschnitt Poznań–Warszawa folgte ein Workshop zu Kräuterwissen und Heilpflanzen.
Was bleibt – und was als Nächstes kommt
Möglich wurde die diesjährige Ausgabe durch eine breitere Partnerschaft als bei der früheren Verbindung nach Wrocław, für die die Länder Berlin und Brandenburg Zug und Programm trugen. Diesmal sind auch die Städte Poznań und Warszawa finanziell beteiligt, PKP-Intercity unterstützt als Kooperationspartner, hinzu kommen Deutsche Bahn, Bundesministerium für Verkehr und Berliner Senatskanzlei. Mit einem symmetrischen Fahrplan sei der Kulturzug nach zehn Jahren erstmals ein „echter deutsch-polnischer“ Zug, so Wasserman. Das sei eine wichtige Voraussetzung für eine dauerhafte gemeinsame Finanzierung. Im Dankesbrief des Teams heißt es: „Der Kulturzug hat als europäischer Begegnungsraum Zukunft.“
Als mögliches nächstes Kapitel nennt das Team den Wunsch nach einer Verbindung Warszawa–Berlin–Paris, um das Weimarer Dreieck sichtbarer zu machen. Die Performance von Ghyslaine Gau (SOURD BOUCAN Dérive) in Kooperation mit dem Institut français Berlin auf der letzten Fahrt gab dazu einen ersten Impuls. Im Programmheft dankt das Team zudem der Oder-Partnerschaft, deren 20-jähriges Bestehen der Kulturzug mitfeierte.
Foto: © Europäische Akademie Berlin
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