Hochrangige Gäste aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Jugend kamen im Auswärtigen Amt zusammen, um über die nächsten Schritte der deutsch-polnischen Zusammenarbeit zu beraten. Im Mittelpunkt standen Sicherheit, Wirtschaft, Erinnerungskultur, europäische Werte und die Rolle der jungen Generation für Europas Zukunft.
Berlin, 17. Juni 2026 – Im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin fand das Deutsch-Polnische Forum statt – auf den Tag genau 35 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland. Das hochrangig besetzte Forum brachte Außenminister, Diplomaten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft sowie der Jugend zusammen – für einen offenen Dialog über Gegenwart und Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen.
35 Jahre Nachbarschaftsvertrag: Bilanz und Aufbruch
Das Forum stand ganz im Zeichen des Jubiläums. Der polnische Außenminister und stellvertretende Ministerpräsident Radosław Sikorski sowie der deutsche Außenminister Johann Wadephul eröffneten den Tag mit Reden und einer Fishbowl-Diskussion zur Frage: „35 Jahre Nachbarschaftsvertrag – Zeit für ein neues Kapitel?“ Moderiert wurde die Runde von Joanna Maria Stolarek, flankiert von Knut Abraham, Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, und Henryka Mościcka-Dendys, Vorsitzende des polnischen Beirats für die Zusammenarbeit mit Deutschland.
Als konkretes Ergebnis des Tages verabschiedeten beide Außenminister eine gemeinsame Erklärung, die den Nachbarschaftsvertrag als historischen Wendepunkt würdigt und zugleich neue Prioritäten für die Zusammenarbeit definiert: gemeinsame Sicherheit und Verteidigung, Unterstützung der Ukraine, wirtschaftliche Vernetzung und Infrastruktur sowie der Schutz europäischer Werte. Ebenfalls am 17. Juni wurde in Warschau ein neues deutsch-polnisches Verteidigungsabkommen unterzeichnet – ein weiteres starkes Signal der vertieften sicherheitspolitischen Partnerschaft beider Länder.
Rückgabe geraubter Kulturgüter
Ein besonders bewegender Moment des Forums war die Übergabe weiterer Kulturgüter, die während des Zweiten Weltkriegs aus Polen geraubt worden waren. Kulturministerin Marta Cienkowska nahm aus deutschen Händen entgegen: ein Fragment eines mittelalterlichen Manuskripts mit der Aufzeichnung der Hymne „Gaude Mater Polonia“ – eines der ältesten religiösen Werke der polnisch-lateinischen Lyrik –, einen Ring von König Sigismund I. dem Alten sowie 11 Miniaturmodelle aus dem ehemaligen Warschauer Verkehrsmuseum aus der Vorkriegszeit. Die Rückgaben sind Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit zwischen dem polnischen Kulturministerium und deutschen Partnerinstitutionen.
Preis für besondere Verdienste – auch ein Moment für die Oder-Region
Im Rahmen des Forums verliehen die Außenminister Sikorski und Wadephul den Preis für besondere Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen. Ausgezeichnet wurden der polnische Diplomat und frühere Botschafter Janusz Reiter sowie das Kooperationszentrum Frankfurt (Oder) / Słubice – ein Zeichen der besonderen Anerkennung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Oder-Region, zu der auch die Mitglieder der Oder-Partnerschaft gehören.
Parallele Workshops: Wirtschaft, Sicherheit, Gesellschaft, Jugend
Der Nachmittag gehörte parallelen thematischen Sitzungen an verschiedenen Berliner Veranstaltungsorten – dem Auswärtigen Amt, dem Haus der Deutschen Wirtschaft und dem Roten Rathaus. Diskutiert wurde in sechs Formaten: Wirtschaft, Sicherheit, Zivilgesellschaft, historische Bildung, Erinnerungskultur, Sprache, Jugend, Literatur, Europa und globale Politik. Besonders der Workshop zur jungen Generation – organisiert von der Europäischen Akademie Berlin und der Robert-Schuman-Stiftung – unterstrich, dass die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen auch von der nächsten Generation aktiv mitgestaltet wird.
Den Abschluss des Tages bildete ein Empfang im Festsaal des Roten Rathauses mit Grußworten des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner, sowie von Halina Bieda, Senatorin der Republik Polen, und Géza Andreas von Geyr, Staatssekretär im Auswärtigen Amt.
Hintergrund: Das Deutsch-Polnische Forum
Das Deutsch-Polnische Forum wird von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Partnerschaft mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und dem Außenministerium der Republik Polen organisiert – mit freundlicher Unterstützung der Senatskanzlei Berlin.
© Foto: Marcin Maniewski/MSZ