Von der Brücke bis zur IT: Polnische Unternehmen fassen in Brandenburg Fuß

Brücken in Brandenburg an der Havel und Berlin, übernommene Betriebe in Eberswalde und Guben, IT-Lösungen aus Kraków: Wie der rbb24 berichtet, haben 19 polnische Unternehmen ihr Geschäft nach Brandenburg ausgeweitet; sie sichern und schaffen dort rund 1.000 Arbeitsplätze. Dahinter stehen ein kräftig wachsender polnischer Heimatmarkt (2025: rund 3,6 Prozent Wirtschaftswachstum), ein größerer Nachbarmarkt und eine schwächelnde deutsche Konjunktur.

Aufträge: vier Brücken für Brandenburg und Berlin

Das polnische Bauunternehmen Budimex Bau, spezialisiert auf Brücken- und Stahlkonstruktionen, baut derzeit vier Brücken in Brandenburg und Berlin. Dazu zählen die Erneuerung der Quenzbrücke über den Silokanal in Brandenburg an der Havel, die rund 34 Millionen Euro kostet, und die Mühlendammbrücke in Berlin. Seit sechs Jahren expandiert das Unternehmen nach Deutschland, weil es in Polen an seine Wachstumsgrenze gestoßen ist, so der rbb24. Geschäftsführer Jacek Zwiech verweist darauf, dass der deutsche Markt mindestens doppelt so groß sei wie der polnische. Budimex, nach seinen Worten Polens größtes Bauunternehmen, könne sich dank Kapital und Erfahrung dauerhaft behaupten. Als Nächstes will die Firma in den Bau von Eisenbahnbrücken einsteigen.

Laut Plan übernehmen deutsche Subunternehmen rund 70 Prozent des Auftrags für die Quenzbrücke, vor allem Spezialarbeiten, bei denen die deutschen Vorschriften genau bekannt sein müssen, sowie kurzfristige Aufträge. Die Firma PRB Kloster Lehnin etwa baut Spundwände zur Sicherung der Baugruben.

Übernahmen und Branchenvielfalt: von Eberswalde bis Guben

Polnische Unternehmen kommen nicht nur über Aufträge. Nach Angaben von Dr. Steffen Kammradt, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg, haben polnische Investoren auch angeschlagene Brandenburger Betriebe übernommen und dafür gesorgt, dass sie weiterarbeiten. Beispiele sind die Reinigungsfirma Targatz in Eberswalde, übernommen von Hollywood S.A. aus Sierpc, und ATT Polymers in Guben, das Grupa Azoty, das größte polnische Chemieunternehmen, übernommen hat.

Das Spektrum reicht inzwischen von Medizin- und Chemieprodukten über Reinigung und Logistik bis zu IT-Dienstleistungen: Das IT-Unternehmen Comarch aus Kraków beschäftigt in Deutschland rund 250 Menschen, unter anderem in Berlin, betreibt ein Rechenzentrum in Dresden und zählt Lidl, Strabag und die Deutsche Bahn zu seinen Kunden. Für polnische Firmen sprechen laut rbb24 der Zugang zu einem großen, kaufkräftigen Markt und die gut ausgebaute Infrastruktur für Unternehmen; hinzu kommt, dass sich einzelne deutsche Unternehmen derzeit günstig übernehmen lassen. Im Ranking der internationalen Investoren in Brandenburg liegt Polen mit 19 Unternehmen auf Platz sieben, die USA führen mit 37 Großunternehmen.

Voneinander lernen: Tempo, Planung, Digitalisierung

Der rbb24-Bericht zeigt auch, was beide Seiten voneinander mitnehmen können. Dariusz Biernacki, Verkaufsleiter bei Comarch, sieht bei der Modernisierung von IT-Systemen in Deutschland Nachholbedarf: Polen habe die Zeit nach dem politischen Umbruch genutzt, um neue Technik konsequent einzuführen, was heute etwa beim Internetzugang und bei digitalen Zahlungen im Alltag spürbar sei.

René Wilke (SPD), Brandenburgs Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt und noch vor einem Jahr Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), wunderte sich in Słubice oft über das Bautempo. Seine polnischen Partner erklärten ihm, dass ein Spielplatz gebaut wird, wenn die Menschen ihn wollen – und notfalls später wieder abgerissen. In Deutschland geht dagegen gründliche Planung voraus; Wilke fände einen Mittelweg gut. Ähnlich sieht es Budimex-Projektleiter Wojciech Gosztyła: Der eigentliche Wert liege in der Verbindung der polnischen Flexibilität mit der guten Vorbereitung auf deutscher Seite.

Verflechtung in beide Richtungen

Die Beispiele stammen aus Brandenburg und Berlin, zwei der vier deutschen Partner der Oder-Partnerschaft. Sie zeigen, dass die wirtschaftliche Verflechtung in beide Richtungen wächst: Der SPIEGEL hatte zuletzt gezeigt, wie stark die deutschen Exporte nach Polen zulegen, der rbb24 beschreibt nun, wie polnische Unternehmen in Brandenburg bauen, übernehmen und beschäftigen. Für Subunternehmer und Wirtschaftsförderer wird Zusammenarbeit damit sehr konkret – von der Ausschreibung bis zur Betriebsübernahme.

Die Oder-Partnerschaft macht solche Geschichten aus der Region auf ihrer Website, im Newsletter und auf den Social-Media-Kanälen sichtbar. Wer von einem Unternehmen, einer Kooperation oder einer Veranstaltung mit deutsch-polnischem Bezug weiß, kann der Redaktion gern einen Hinweis schicken.

Weiterlesen: Wioletta Weiss: „Wirtschaftsboom in Polen – Warum polnische Unternehmen nach Brandenburg expandieren“, rbb24, 04.10.2026: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/10/polnische-unternehmen-expandieren-nach-berlin-brandenburg.html