Mahler zum Festivalabschluss: Sächsische Staatskapelle Dresden in Wrocław

Ein Orchester mit Wurzeln im 16. Jahrhundert, eine Symphonie zwischen Hoffnung und Zweifel, rund 1.800 Gäste: Am 13. September 2026 spielte die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Daniele Gatti im Nationalen Forum für Musik (NFM) in Wrocław Gustav Mahlers VI. Symphonie – als Abschlusskonzert des 61. Internationalen Festivals Wratislavia Cantans. Das Gastspiel fand in Zusammenarbeit mit dem Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Wrocław statt; die Initiative „So geht sächsisch.“ unterstützte es.

Ein Abend mit Standing Ovations

Das Publikum feierte den Abend mit minutenlangem Applaus im Stehen. Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter der Woiwodschaft Niederschlesien und der Stadt Wrocław sowie aus Verwaltung, Diplomatie, Wissenschaft, Kultur und Medien – an diesem Abend vor allem als Konzertgäste. Beim Konzert verlas Anna Leniart, Leiterin des Verbindungsbüros des Freistaates Sachsen in Wrocław, ein Grußwort des Sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer.

Von Schütz bis Strauss: ein Orchester mit Geschichte

Zu den Persönlichkeiten, die mit der Staatskapelle verbunden waren, zählen Heinrich Schütz, Carl Maria von Weber und Richard Wagner; Richard Strauss arbeitete mehr als sechs Jahrzehnte eng mit dem Orchester zusammen. Mit Daniele Gatti an der Spitze beginnt für das Orchester ein neues Kapitel, in dem die Tradition ihren Platz behält und zugleich Raum für neue künstlerische Erfahrungen bleibt.

In Wrocław trat die Staatskapelle als musikalische Botschafterin Sachsens auf. Das polnische Publikum konnte so einen Teil des musikalischen Erbes Sachsens live erleben – einer Region, mit der Niederschlesien seit Jahrzehnten eng verbunden ist.

Mahlers Sechste: Raum für eigene Gedanken

Gustav Mahler selbst nannte seine VI. Symphonie die „Tragische“. Das Werk gehört zu den intensivsten Kompositionen der Spätromantik: Es erzählt von menschlicher Sensibilität, von Hoffnung und Zweifel, vom Drang nach vorn und zugleich von Unsicherheit und Bedrohung. Fertige Antworten liefert die Musik nicht; sie lässt Raum für eigene Gedanken.

Gerade deshalb bleibe sie auch heute aktuell, so Kretschmer in seinem Grußwort. Das gemeinsame Erleben von Kunst erinnere in einer zunehmend komplexen und unsicheren Welt daran, dass die europäische Gemeinschaft nicht allein auf Institutionen und Interessen beruhe, sondern auch auf gegenseitigem Verständnis, Vertrauen und Respekt – Werte, die nicht nur am Verhandlungstisch entstehen.

Nachbarschaft lebt von Begegnung

Gute Nachbarschaft sei „nicht nur eine Frage der Geografie“, betonte Kretschmer. Geprägt werde sie vor allem von Menschen, ihren Kontakten und gemeinsamen Erfahrungen. Die Partnerschaft zwischen Sachsen und Niederschlesien reiche längst über Politik und Wirtschaft hinaus: Persönliche Kontakte, Begegnungen und gegenseitiges Interesse seien ein wichtiger Teil davon, und Kultur lasse Beziehungen durch gemeinsame Erlebnisse entstehen – unabhängig von Sprache und Grenzen.

Sachsen und Niederschlesien (Dolnośląskie) gehören beide zur Oder-Partnerschaft, die vier deutsche Bundesländer mit vier westpolnischen Woiwodschaften verbindet. Termine, Projekte und Geschichten aus der Region macht die Oder-Partnerschaft auf ihrer Website, im Newsletter und auf ihren Social-Media-Kanälen sichtbar. Wer von einem Kulturprojekt oder Festival mit deutsch-polnischem Bezug weiß, kann der Redaktion gern einen Hinweis schicken.

Foto: © Karol Adam Sokołowski / NFM