Der Kulturzug ist wieder da – diesmal zwischen Berlin und Warschau

Bis zum 10. Oktober 2026 verbindet der Kulturzug erstmals Berlin und Warschau – mit einem Programm aus Literatur, Musik, Performances und Workshops. Nach zehn Jahren zwischen Berlin und Wrocław startet das mehrfach ausgezeichnete Projekt damit in ein neues Kapitel: als echter deutsch-polnischer Kulturzug mit symmetrischem Fahrplan.

Ein eigener Waggon statt mobiler Technik

Während der frühere Kulturzug Berlin–Wrocław als Regionalzug auf der Fernstrecke verkehrte und vor jeder Fahrt neu mit Programm und Ausstattung bestückt werden musste, nutzt das neue Projekt eine bestehende Fernverkehrsverbindung: den Berlin-Warszawa-Express, ergänzt um einen eigenen Waggon der PKP Intercity. Gemeinsam mit der Designerin Joanna Tofiło wurde dafür ein neues Konzept entwickelt – eine verflochtene Weideninstallation, passend zum diesjährigen Motto „Näher als du denkst“. Dass der Waggon für die gesamte Projektdauer fest gestaltet werden kann, eröffnet dem Team um Projektkoordinatorin Natalie Wasserman deutlich mehr gestalterische Möglichkeiten als beim mobilen Vorgängerformat.

Zwei Etappen, vier Programmpunkte pro Fahrt

Die Strecke ist in die Etappen Berlin–Poznań und Poznań–Warszawa unterteilt, mit jeweils zwei Programmpunkten plus zwei weiteren in der „lebendigen Bibliothek“. Dieses Format – eine Weiterentwicklung der mobilen Bibliothek aus dem Breslau-Projekt – lädt Expertinnen und Experten aus Kunst, Kultur und Bildung ein, mit den Fahrgästen ins Gespräch zu kommen. Mit an Bord sind unter anderem das Kollektiv Uśpiona Księgarnia (die „schlafende Bibliothek“) aus Warschau, das literarische Magazin „Zakład“ aus Wrocław sowie ein performativer Vortrag über die Kunst der Improvisation und den polnischen Jazz. Auch das Computerspielemuseum und eine Ausstellung des Berlin Institute of Health sind Teil des Programms.

Finanzierung auf neuer, gemeinsamer Basis

Anders als beim Vorgängerprojekt, das über zehn Jahre und mehr als 1.500 Fahrten von den Ländern Berlin und Brandenburg finanziert wurde, teilen sich beim Kulturzug Berlin–Warschau nun auch die Städte Poznań und Warszawa die Kosten. Die Kooperation mit PKP Intercity als Partner für die Infrastruktur – den größten Kostenfaktor des Projekts – macht den Kulturzug nach Einschätzung der Organisatorinnen erstmals zu einem wirklich symmetrischen deutsch-polnischen Format, das für Fahrgäste aus beiden Ländern gleichermaßen attraktiv ist. Das gilt auch als wichtige Grundlage für eine mögliche dauerhafte gemeinsame Finanzierung.

Ausblick: Das Weimarer Dreieck als nächstes Ziel

Für die letzte Fahrt des diesjährigen Programms ist mit der Performerin Sourd Boucan Dérive – eine Kooperation mit dem Institut français Berlin – bereits ein erster Impuls in Richtung einer möglichen Erweiterung gesetzt: Die Organisatorinnen können sich perspektivisch eine Kulturzugverbindung Warschau–Berlin–Paris vorstellen, passend zum Weimarer Dreieck, das 2027 auf der Leipziger Buchmesse im Mittelpunkt stehen soll.

Hinweis: Das vollständige Interview mit Projektkoordinatorin Natalie Wasserman, geführt von Natalia Prüfer, ist bei DIALOG online erschienen:
Der Kulturzug ist wieder da. Diesmal zwischen Berlin und Warschau

© Foto: Natalia Prüfer