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01.06.2015

Breslau – Ein Blick auf die europäische Kulturhauptstadt 2016

Breslau bei Nacht: © Chris / flickr.de

Wroclaw, zu Deutsch Breslau, darf sich im nächsten Jahr in eine Reihe mit Weimar, Brüssel, Marseille und anderen bedeutenden Kulturstädten stellen: Dann wird die viertgrößte Stadt Polens, Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien, gemeinsam mit San Sebastian (Spanien) europäische Kulturhauptstadt. Seit 1985 werden jährlich europäische Städte mit dem Titel

„Kulturhauptstadt“ ausgezeichnet – und der lockt traditionell viele Besucher an. Breslaus Stadtpräsident Rafal Dutkiewicz will diese Bühne nutzen, Breslau als europäische Stadt mit einzigartiger Geschichte zu präsentieren.

Musikalische Höhepunkte schon in diesem Jahr


Breslau ist mit seiner historischen Altstadt, Museen, Restaurants und Clubs ohnehin Anziehungspunkt für Touristen an der Oder. Das Veranstaltungsjahr wird eine Menge zusätzlicher Attraktionen bieten. Verkündet wird der erste Teil des offiziellen Programms zwar erst in einer feierlichen Multimediaveranstaltung am 19. Juni 2015, bereits in diesem Jahr bekommen die Breslauer und ihre Besucher aber einen ersten Vorgeschmack auf das Dasein als Kulturhauptstadt. In diesem Herbst wird etwa das neue Musikforum mit Platz für 1.800 Gäste eröffnen, das mit seinen vier Musiksälen vom 8. bis 19. September 2015 Schauplatz des Breslauer Musikfestival Wratislavia Cantans ist.

Musik ist auch ein wichtiger Schwerpunkt des Kulturjahres 2016. Über 60 Darbietungen von Klassik bis Rock gehören dazu, darunter auch etablierte Veranstaltungen wie „Jazz an der Oder“, ein Festival mit über 50-jähriger Tradition. Ein weiterer Höhepunkt wird das Projekt „Singing Europe", das Chöre aus ganz Europa vereinen soll. Rund 1.000 Künstler wollen einen Brückenschlag nach San Sebastian wagen, indem sie an einer Zarzuela – der spanischen Variante der Operette – mitwirken, die Breslaus Opernintendantin Ewa Michnik mit der Breslauer Oper inszeniert und im 2012 zur Europameisterschaft neu eröffneten Breslaus Fußballstadion zur Aufführung bringt.

Architektur im Fokus

Die Organisatoren räumen zudem dem Thema Architektur im Programm der Kulturhauptstadt einen großen Stellenwert ein. Der zuständige Kurator und bekannte Breslauer Architekt Zbigniew Macków knüpft mit dem Projekt WuWa2 an die große Werkbundausstellung Wohnung und Werkraum (WuWa) aus dem Jahr 1929 an. Ziel ist, die Siedlung im historischen Stil zu erneuern und für Besucher besser zugänglich zu machen. Zugleich soll modernes Bauen in den Fokus gerückt werden, etwa bei Wettbewerben zur Entwicklung der neuen Siedlung Nowe Żerniki, die nachhaltig und ökologisch errichtet werden soll.

Bereits im vergangenen Jahr wurde das neue Musiktheater Capitol fertiggestellt. Im Herbst 2015 folgt dann das bereits beschriebene spektakuläre Nationale Musikforum, das zwischen Königsschloss und Oper eröffnet wird. Ein ehemaliges Straßenbahndepot außerhalb der Altstadt wird als Zajezdnia-Geschichtszentrum künftig Platz für Ausstellungen, Konzerte und andere Events bieten. Als großes Kino  entsteht das „Nowe Horyzonty“, das nicht nur Spielort für das gleichnamige Festival sein wird, sondern auch im Rest des Jahres anspruchsvolle Filmkunst zeigen soll.

Vorgeschmack bereits am 20. Juni

Ein berühmter Musiker gibt sich bereits bei der feierlichen Verkündigung des ersten Programmteils am 19. Juni die Ehre: Der italienische Star-Tenor Andrea Bocelli wird an dem Abend im Breslauer Stadion auftreten – das genaue Programm des Abends ist noch geheim. Breslaus Brücken werden am nächsten Abend einen weiteren Vorgeschmack auf das Kulturjahr geben: Am 20. Juni werden über 20 von ihnen gesperrt und als Bühne oder Kunstobjekt Teil der Performance „Brücken“ (Mosty). Damit sollen symbolisch die erhofften Verbindungen zwischen Ost und West dargestellt werden, die durch das Kulturjahr enstehen.

Pop Up Pavillon sucht Projekte – Teil des Kulturjahres werden

Das Goethe-Institut und das WRO Art Center sind im Rahmen der Kulturhauptstadt noch bis zum 15. Juni 2015 auf der Suche nach Konzepten für installative Arbeiten und künstlerische Aktionen in einem gläsernen Container auf einem öffentlichen Platz im Zentrum von Breslau. Dieser dient als Basis für ein ortsspezifisches, interdisziplinäres Kulturprogramm mit deutsch-polnischem Fokus, welches das Publikum mit einbeziehen und zur Teilnahme animieren soll.

Gesucht werden Konzepte für Installationen und Aktionen unter anderem aus den Bereichen zeitgenössische Kunst, Performance, Musik oder Theater, die im Goethe-Institut Pop Up Pavillon realisiert werden sollen. Personen, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland oder Polen haben, können sich noch bis 15. Juni beim polnischen Goethe Institut bewerben und damit die Chance erhalten, selbst Teil der Kulturhauptstadt zu werden.


Die Altstadt lockt auch bei Tag viele Touristen an © Stahlbauer / flickr.de