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11.08.2014

Interview mit Tomasz JaƂukowicz, Polnisches Bildungsministerium

1. Polnische Hochschulen haben in den vergangenen Jahren infolge einer Hochschulreform mehr Selbständigkeit erhalten. Inwiefern haben sich dadurch bessere Kooperationsmöglichkeiten mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie der Wirtschaft im Ausland ergeben und welche Rolle spielt das MNiSW dabei, diese zu nutzen?

Polnische Universitäten sind autonom und die Reformen von 2010/ 2011 haben diese Autonomie noch erweitert. Dies bedeutet, dass die Gestaltung der internationalen Zusammenarbeit mit akademischen Einrichtungen und Unternehmen voll im Ermessen der einzelnen Hochschulen liegt.

Die Internationalisierung der polnischen Wissenschaft und Hochschulbildung ist eine Priorität der Regierung, daher unterstützt unser Haus die Hochschulen dabei mit einer Reihe von Maßnahmen: Die wichtigsten Instrumente sind für uns dabei die aus dem ESF bzw. EFRE finanzierten Operationellen Programme „Wissen, Bildung, Entwicklung“ und „Intelligente Entwicklung“, die derzeit mit der Europäischen Kommission abgestimmt werden.

2. Das polnische Bildungs-/ Hochschulsystem weist noch immer einen vergleichsweise geringen Internationalisierungsgrad auf – relativ wenige ausländische Studierende kommen an polnische Universitäten. Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um das Interesse deutscher Studierender an polnischen Hochschulen und Einrichtungen der beruflichen Bildung zu steigern?

Als Ergebnis und dank der Aktivitäten des Ministeriums und des akademischen Umfelds verzeichnet Polen seit zehn Jahren eine kontinuierliche Zunahme ausländischer Studenten in Polen. In unserem Land studieren derzeit 36.000 Auslandsstudenten. Unser Ziel ist es, den Anteil ausländischer Stundenten bis 2020 auf mindestens 5 Prozent zu bringen. Dadurch könnten die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels in den aktuellen Jahrgängen teilweise ausgeglichen werden. Auch die Anzahl deutscher Studenten in Polen steigt kontinuierlich. In den Jahren 2013-2014 studierten an polnischen Universitäten 593 deutsche Staatsangehörige, vor allem Medizin und Management.

Unser Ministerium unterstützt die internationale Tätigkeit der polnischen Universitäten und Forschungseinrichtungen mit Kampagnen wie "Ready, Study, Go! Polen" und "Research & Go! Polen". Die Kampagnen zielen darauf ab, polnische Hochschulen in allen Aktivitäten, die zur Erhöhung ihres Internationalisierungsgrades beitragen, zu unterstützen und richten sich an alle Universitäten in Polen, d.h. öffentliche und private, darunter in erster Linie an wissenschaftliche Institutionen. Schwerpunktmärkte sind Länder der Östlichen Partnerschaft, China und Brasilien - im Zusammenhang mit dem jüngsten Beitritt Polens zum Programm "Wissenschaft ohne Grenzen".

Darüber hinaus ist erst kürzlich ein Wettbewerb zuende gegangen, bei dem das Ministerium die besten Förderprojekte ausgezeichnet hat, die Ausländer für ein Studium in Polen gewinnen sollten.

Grundsätzlich spielen bei der Gewinnung ausländischer Studenten die polnischen Universitäten eine große Rolle. Sie beteiligen sich an internationalen Bildungsmessen, bieten Doppelstudiengänge mit ausländischen Partnern an und vor allem mehr als 650 Studiengänge in Fremdsprachen.


3. Häufig wird beklagt, dass die gegenseitige Anerkennung von Berufs- und Studienabschlüssen zwischen Deutschland und Polen noch nicht ausreichend ist. Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, um dies zu verbessern?


Richtlinien und Verfahren für die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen und Abschlüsse sind weitgehend im Rahmen der Mitgliedschaft Polens und Deutschlands in der Europäischen Union und der Beteiligung der beiden Länder am Bologna-Prozess verbunden. Innerhalb dieser Strukturen werden laufend Schritte gemacht, um die Anerkennung von Berufsqualifikationen und Abschlüsse zu verbessern. Darüber hinaus gibt es ein Abkommen der beiden Länder über die gegenseitige Anerkennung von Diplomen für den Zweck der Weiterbildung.

Grundgedanke der relevanten EU-Richtlinien ist die Harmonisierung der Ausbildung in den Mitgliedsstaaten und die Anerkennung einer Qualifikation, die in einem Mitgliedstaat erworben wurde, für die Ausübung des gleichen Berufes in einem andern Mitgliedstaat. Falls sich die Ausbildungen erheblich unterscheiden, sind Ausgleichsmaßnahmen wie Eignungsprüfungen oder Anpassungslehrgänge vorgesehen. Eine neue EU-Richtlinie vom November 2013 sieht weitere was Vereinfachungen bei der Anerkennung von Qualifikationen vor und muss von den Mitgliedstaaten bis Januar 2016 umgesetzt werden.

Für die gegenseitige Anerkennung von Diplomen und Berufsqualifikationen sind auch Instrumente wie Zweitaktstudiengänge, Diplom Supplement, European Credit Transfer System (ECTS), auf Lernergebnisse orientierte Bildungsprogramme, Qualitätssicherungssysteme und Qualifikationsrahmen relevant. Dank solcher Instrumente werden die Bildungssysteme beider Länder immer vergleichbarer und damit ist die Anerkennung der Diplome einfacher.