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16.06.2016

25 Jahre Nachbarschaftsvertrag: Spitzenpolitiker loben Engagement der deutschen und polnischen Zivilgesellschaften

Am 17. Juni 1991 unterzeichneten Deutschland und Polen ihren Nachbarschaftsvertrag. In diesen Tagen feiern beide Nationen das 25-jährige Bestehen des Abkommens – mit gegenseitigen Besuchen von Spitzenpolitiker beider Länder. Eine wichtige Säule des Vertrages sind die Regelungen zum Jugend-, Kultur- und Wissenschaftsaustauschs. Dementsprechend gestaltete sich auch der Auftakt der Feierlichkeiten.

Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Vertreter der Oder-Partnerschaft, reiste in seiner Rolle als Polen-Koordinator der Bundesregierung nach Warschau, um dort das deutsch-polnische Jugendwerk zu besuchen. Auf der Festveranstaltung zu dessen 25-jährigen Bestehen lobte er die herausragende Rolle des Jugendwerks für Aussöhnung und Freundschaft zwischen beiden Ländern: „Die unzähligen verbindenden Erfahrungen und Erlebnisse, die von den Jugendlichen getragen werden, können gar nicht hoch genug geschätzt werden. Denn für junge Polen und Deutsche ist das Normalität, was angesichts der Geschichte eigentlich an ein Wunder grenzt.“
Mit Blick auf die Bandbreite der angebotenen Projekte – von Sportprogrammen über Inklusionsprojekte bis hin zur Berufsorientierung – erklärte Dietmar Woidke, dass vor allem die Begegnung, die gemeinsame Aktivität und das gemeinsame Gestalten wichtig seien. Sein Fazit: „Zusammen etwas tun, zusammen etwas aufbauen: Dadurch sind unzählige Freundschaften, Arbeitsbeziehungen, ja sogar deutsch-polnische Familien entstanden. Wir haben Brücken zwischen unseren Ländern gebaut, die von Jahr zu Jahr tragfähiger und stabiler werden.“

Wie wichtig dieser Austausch junger Deutscher und Polen für die Beziehungen beider Länder ist, zeigten auch die Glückwünsche der polnischen Premierministerin Beata Szydło, die sich mit einem Schreiben an die Feiernden wandte: "Unsere Länder sind einen langen Weg zu einer ausgereiften Partnerschaft gegangen (...) Die gute Zusammenarbeit und die konkreten Projekte sind ein Beleg dafür, dass der Weg, dem wir folgen, die beste Lösung ist. Junge Menschen, deren Schicksale sich dank ihnen kreuzen, sind die Zukunft beider Länder ". Dietmar Woidke warb aus seiner Überzeugung heraus für eine Aufstockung der Finanzmittel des deutsch-polnischen Jugendwerks. Sein Land hatte dieses Anliegen bereits am vergangenen Freitag in Form eines Antrags in den Bundesrat eingebracht. Dietmar Woidke bekräftigte in Warschau erneut seinen Vorstoß: „Damit die Geschichte der Freundschaft eine Erfolgsgeschichte bleibt, ist eine angemessene Ausstattung unabdingbar “

Die Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums finden ihren vorläufigen Höhepunkt mit dem Besuch von Polens Präsident Andrzej Duda, der am Donnerstag, den 16.06. 2016, nach Berlin reist, wo ihn Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren empfangen. Im Anschluss findet die Podiumsveranstaltung und Lesung "Nachbarn im Gespräch" statt. Bereits am darauffolgenden Tag wird Joachim Gauck seinen Gegenbesuch in Warschau antreten. Auf dem Programm steht u.a. eine gemeinsamer Termin mit der "Reflexionsgruppe zur Zukunft der deutsch-polnischen Zusammenarbeit" und eine Ansprache bei der Konferenz "Worauf die Zukunft Europas bauen?" sowie ein Treffen mit der polnischen Premierministerin Beata Szydło.

Bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten hatte Bundespräsident Joachim Gauck dem polnischen Nachrichtenmagazin Polityka ein Interview gegeben, indem auch er –ähnlich wie Beata Szydlo und Dietmar Woidke – die Bedeutung der deutschen und polnischen Zivilgesellschaft für die deutsch-polnische Versöhnung hervorgehoben hatte. Gauck wörtlich: „Es fasziniert mich nach wie vor, dass dieser Prozess [der Aussöhnung, Anmerkung der Redaktion] Mitte der 1960er Jahre nicht von den Regierungen ausging, sondern in der Mitte unserer Gesellschaften entstand, bei Menschen guten Willens in Polen und Deutschland, bei Katholiken und Protestanten, Intellektuellen, Künstlern, Unternehmern und vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Es zeigte sich: Bevor die Politik im Stande war, Brücken zu bauen, haben Menschen sie gebaut .“